Auf dem Flugplatz von Walldürn treffen historische Rennmaschinen auf eine der letzten verbliebenen Bühnen des deutschen Flugplatzrennsports. Die Moto Trophy bewahrt diese Welt nicht im Museum, sondern auf der Strecke.
Titelbild: Auf dem Flugplatzkurs – Die Odenwald Klassik 2022 auf dem Flugplatz Walldürn. Der nur 1,905 Kilometer lange provisorische Kurs ist kurz und von zahlreichen Beschleunigungs- und Bremsphasen geprägt – ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der Motorradrennen noch regelmäßig auf Flugplätzen ausgetragen wurden.
Für ein Wochenende im Juni 2022 wurde der Flugplatz von Walldürn zu einer Rennstrecke. Auf einem knapp zwei Kilometer langen Kurs aus Start- und Landebahnen, Rollwegen und provisorischen Streckenbegrenzungen traf sich die Moto Trophy zur Odenwald Klassik. Was andernorts auf permanenten Rennanlagen stattfindet, wirkt hier unmittelbarer: Fahrerlager, Zuschauer und Strecke liegen eng beieinander, Boxenanlagen gibt es nicht.
Flugplatzrennen gehörten einmal selbstverständlich zum europäischen Motorradsport. Bis in die 1980er-Jahre wurden Militär- und Zivilflugplätze regelmäßig zu Rennkursen umfunktioniert, bevor permanente Anlagen diese Form des Motorsports weitgehend verdrängten. Walldürn ist eine der letzten Erinnerungen an diese Zeit. Die Veranstaltung knüpft zugleich an die Tradition des früheren Buchener Dreieckrennens und der zahlreichen Straßenrennen der deutschen Nachkriegszeit an.
Doch die Odenwald Klassik ist kein rollendes Museum. Bei der Moto Trophy wurden historische Rennmaschinen und Youngtimer tatsächlich unter Rennbedingungen bewegt. Das Feld reichte von klassischen Motorrädern über Zweitakter und Superbikes bis zu Twins und Seitenwagen; zugleich bot die Serie auch jüngeren Fahrern und moderneren Maschinen einen Platz. 2022 waren in Walldürn zudem mit Dieter Braun und Lothar John ehemalige WM-Fahrer zu Gast.
Im Fahrerlager zeigt sich, was diese Welt am Leben hält. Reifen liegen neben Werkzeug und Ersatzteilen, Motorräder werden zwischen zwei Läufen überprüft und eingestellt. Die Technik ist sichtbar, zugänglich und häufig Jahrzehnte alt. Es geht nicht allein darum, sie zu bewahren. Sie soll funktionieren – und sie soll wieder auf die Strecke.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Reiz dieses Sports: Eine technisch längst überholte Welt wird nicht konserviert, sondern immer wieder neu hergestellt. Für einige Tage werden alte Maschinen vorbereitet, verladen, repariert und gefahren. Und ein Flugplatz wird noch einmal zu dem, was Flugplätze früher gelegentlich waren: eine Rennstrecke.


Alte Technik im Einsatz – Motoren, Vergaser und mechanische Bauteile bleiben bei vielen Maschinen offen sichtbar. Die Moto Trophy bringt Klassiker und Youngtimer nicht als Ausstellungsstücke zusammen, sondern als funktionierende Rennmotorräder, die weiterhin unter Wettbewerbsbedingungen gefahren werden.
